Die Primärbehandlung

Lippenspaltplastik und Nasenflügelplastik - Lippenverschluss
Die Lippenspaltplastik wird im Alter von vier bis fünf Monaten durchgeführt.

Bei dieser Operation wird die Lippenspalte verschlossen und der Nasenboden gebildet. In dieser Operation wird auch der verformte Nasenflügel der Spaltseite durch Verlagerung des Nasenflügelknorpels korrigiert. Dieser Schritt ist zu keinem Zeitpunkt mehr so einfach und exakt auszuführen, wie während der Lippenspaltplastik. Unterbleibt diese Korrektur, muss häufig im Vorschulalter eine zusätzliche Korrektur des Nasenflügelknorpels erfolgen: eine vermeidbare zusätzliche Operation.

Zur Lippenspaltplastik werden die Kinder nach entsprechender ambulanter Voruntersuchung erst am Operationstag aufgenommen. Je nach Ernährungsrhythmus des Kindes oder Entfernung zum Wohnort kann der Eingriff auch am späten Vormittag oder gegen Mittag vorgenommen werden. So können die Kinder früh morgens noch essen und gehen nicht hungrig auf die Reise.

Die Operation erfolgt in Vollnarkose, die Eltern dürfen aber bei der Narkoseeinleitung dabei sein, ebenso sofort nach Ende der Operation im Aufwachraum dürfen sie wieder bei ihrem Kind sein.

Die Ernährung nach der Operation erfolgt genauso, wie sie es vor der Operation gewöhnt waren. Trinkversuche finden bereits im Aufwachraum statt. Prinzipiell legen wir keine Ernährungssonden. Kinder, die vor der Operation gestillt wurden, werden auch nach der Operation gestillt. Die normale Ernährung nach der Operation fördert die schnelle Umstellung auf die neu geschaffene Situation der jetzt verschlossenen Lippe. Der stationäre Aufenthalt kann auf zwei Tage beschränkt werden, die weitere Genesung erfolgt im gewohnten häuslichen Milieu und wird durch ambulante Kontrollen ergänzt.

Acht Tage nach der Operation erfolgt in einer ambulanten Kurznarkose die Entfernung der Fäden. In gleicher Sitzung erfolgt durch einen HNO-Arzt die Kontrolluntersuchung des Mittelohres und die Einlage von Paukenröhrchen, wenn dies notwendig ist.

Hart- Weichgaumenspaltplastik – Verschluss des harten und weichen Gaumens
Der harte und weiche Gaumen wird im Alter von 9-11 Monaten verschlossen. Lediglich der vorderste Teil, die sogenannte Kieferspalte, bleibt noch offen. Bei doppelseitigen Spalten erfolgt der Verschluss, wie bei der Lippenspalte in einer Sitzung. Der gewählte Zeitpunkt für diese Operation ist besonders wichtig für die Sprachentwicklung des Kindes. Wir verschließen Hart- und Weichgaumen in einer Operation, ebenso wird jetzt eine Trennung von Mund- und Nasenhöhle vollzogen.

Auch diese Operation erfolgt in Vollnarkose und auch dürfen die Eltern bei der Narkoseeinleitung und im Aufwachraum ihr Kind begleiten. Nach der Operation erfolgt wie beim Lippenverschluss keine Sondierung. Nach spätestens zwei bis drei Tagen stationärer Behandlung haben sich Kinder und Eltern an die Nahrungsaufnahme unter den geänderten Bedingungen gewöhnt und können ins häusliche Milieu entlassen werden. Die von der Geburt an getragene Trinkplatte ist jetzt überflüssig und wird nicht mehr gebraucht.

Acht Tage nach der Operation erfolgt in ambulanter Kurznarkose die Fadenentfernung und erneute HNO-ärztliche Begutachtung.

Kieferspaltverschluss
Zum Abschluss des Milchzahndurchbruches gegen Ende des zweiten Lebensjahres sind die Kieferstümpfe durch den Lippendruck und den Zahndurchbruch ausgeformt, das die Kieferspalte verschlossen werden kann. Dies erfolgt im Rahmen einer ambulanten Kurznarkose.

Bei diesem Eingriff verwenden wir resorbierbares Nahtmaterial, so dass eine Fadenentfernung entfällt. Bei diesem Eingriff wird noch kein Knochen transplantiert. Auch während dieses Eingriffs erfolgt eine HNO-ärztliche Mitbegutachtung des Kindes. Die Ernährung nach diesem Eingriff sollte weich und passiert sein. Eine stationäre Behandlung ist nicht erforderlich.